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Studienpräsentation beim europäischen Kardiologenkongress (ESC)! - 28.09.2017

Zu den Studien im Einzelnen:

1. RE-DUAL PCI: Bei Vorhofflimmerpatienten, die einen Koronarstent bekommen, ist es manchmal schwierig, die Balance zwischen Stent-Thrombose- und Blutungsrisiko zu finden. Vorhofflimmern erfordert eine Antikoagulation (Marcumar, NOAK), der Stent vorübergehend 2 Thrombozytenaggregationshemmer. Eine Tripletherapie aus allen diesen Medikamenten geht aber mit einer hohen Rate an schweren Blutungen einher. Die 2016 publizierte PIONER-AF-PCI-Studie konnte bereits zeigen, dass die Blutungsrate bei Verwendung der Kombination aus Rivaroxaban und einem Plättchenhemmer im Vergleich zur Tripletherapie deutlich reduziert wird. RE-DUAL-PCI zementiert nun das Konzept der dualen antithrombotischen Therapie in dieser Situation. Neben Rivaroxaban konnte nun also auch mit Dabigatran und einem Plättchenhemmer gezeigt werden, dass thrombotische Ereignisse gleich gut verhindert wurden wie bei der Tripletherapie, das Blutungsrisiko aber signifikant niedriger lag. Empfohlen wird allerdings, Dabigatran in der 110mg-Dosis zu verabreichen, da bei dieser Dosierung der Vorteil wesentlich deutlicher war.  

 2. DETO2X-AMI: Die Sauerstoffgabe ist beim akuten Herzinfarkt auch ohne Hypoxie eine Routinemaßnahme.....gewesen. Bereits in der 2016 veröffentlichten kleineren AVOID-Studie wurde die Einstellung "Sauerstoff ist billig und schadet nicht!" aber bereits unter Beschuss genommen. Die Zweifler hatten Recht: DETO2X-AMI konnte zeigen, dass Patienten ohne Hypoxie (d.h. eine Sauerstoffsättigung > 90%!!!) nicht von einer Sauerstoffgabe profitieren. Auch das Ausmaß der Herzmuskelschädigung, erneute Infarkte etc. wurden durch die Sauerstoffgabe nicht verringert. Nicht bestätigt wurde die durch AVOID entstandene Befürchtung, dass durch Sauerstoff sogar ein Schaden für das Herz entstehen könnte. Die gerade erschienenen STEMI-Leitlinien der ESC empfehlen eine Sauerstoffgabe nun bei einem Abfall der Sättigung unter 90%!

3. COMPASS: Rivaroxaban plus ASS kann bei Koronarer Herzkrankheit kardiovaskuläre Todesfälle und Schlaganfälle offenbar wirksamer verhindern als ASS alleine. Die Studie wurde aufgrund des Unterschieds bereits nach einer Zwischenanalyse vorzeitig abgebrochen. Der Vorteil hatte allerdings den Preis, dass mehr gastrointestinale Blutungen aufgefallen waren. Hirnblutungen oder gar tödliche Blutungen waren aber nicht gehäuft aufgetreten. Ob die Hinzunahme eines Protonenpumpeninhibitors dieses GI-Blutungsrisiko zu verhindern vermag, wird der noch nicht veröffentlichte Vergleich zwischen der Gabe von Pantoprazol und einem Plazebo in der COMPASS-Studie zeigen.

4. REDUCE, CLOSE und RESPECT: Wie verhindert man einen kryptogenen Schlaganfall bei Nachweis eines PFO effektiver: durch ASS oder durch einen interventionellen PFO-Verschluss?
Vor wenigen Jahren hatten die Studien Closure I, PC-TRIAL und RESPECT eher zur Zurückhaltung bei interventionellen Verschlüssen geführt. Ein signifikanter Vorteil für den PFO-Verschluss konnte nicht gezeigt werden. Die genannten Studien waren allerdings aufgrund ihres Designs (z.B. wurden auch Pat. eingeschlossen, bei denen kein Schlaganfall in der Bildgebung nachgewiesen werden konnte) oder ihrer Auswertung kritisch gesehen worden. Nun schlägt das Pendel zurück. REDUCE, CLOSE und jetzt auch  RESPECT mit längerer Nachbeobachtugsdauer haben einen signifikanten Vorteil zugunsten des PFO-Verschlusses gezeigt. In diese Studien waren ausschließlich Patienten aufgenommen worden, die auch nachweislich einen Schlaganfall erlitten hatten und die somit das Zielkollektiv darstellen. Denn wie soll man versuchen, einen 2. Schlaganfall zu verhindern, wenn nicht einmal der erste einer war, sondern z.B. ein Migräneanfall.

 

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