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Neue Leitlinien, aktuelle Studien! - 11.07.2018

1. Neue Europäische Leitlinie Hypertonie:

Der Grenzwert für eine Hypertonie wird in den europäischen Leitlinien - anders als in den USA - nicht herabgesenkt.
Als Hypertoniker gilt man in Europa weiterhin erst ab einem Blutdruck von 140/90mmHg. Anders als in den USA wurden die Grenzwerte hierzulande nicht auf 130/80mmHg gesenkt.
Aus Sicht der europäischen Hypertonie-Gesellschaft gibt es keine ausreichende Studienlage, die eine Absenkung des Grenzwertes rechtfertigt und damit viele Menschen "künstlich" zu Bluthochdruckpatienten machen würde. Auf die USA bezogen bedeutet die Veränderung eine Zunahme von "Blutdruckkranken" um 20 Millionen!!! Nicht zu unterschätzen sind dabei die Auswirkungen auf Psyche und Lebensqualität wenn Menschen plötzlich eine lebenslange und lebensverkürzende Krankheit haben sollen.
Zudem kritisieren die Europäer, dass der Erstautor der amerikanischen Leitlinie sehr von den Ergebnissen der SPRINT-Studie beeinflusst wurde. Brisant dabei ist, dass Prof. Paul Whelton aber an dieser Studie selbst beteiligt war.

Konsens besteht mit den Amerikanern aber hinsichtlich der Therapie-Zielwerte:
Ist man einmal Hypertoniker, dann sollte ein Blutdruck von < 130/80mmHg angestrebt werden, bei 65-80jährigen <140mmHg. Bisher lagen die Zielwerte insbesondere bei Älteren etwas höher (bis zu 150/90mmHg).

Wirklich neu und erstmalig so formuliert wurde eine Untergrenze: unter 120/70mmHg sollte der Blutdruck nicht liegen!
Und auch die Therapieempfehlungen haben sich geändert: galt bisher eine Monotherapie zu Beginn als Standard, so wird es zukünftig die Fixkombination sein: ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorblocker in Kombination mit einem Kalziumantagonisten oder einem Diuretikum sollen es künftig bereits beim Therapiestart sein. Und auch der Betablocker spielt in Europa weiterhin eine wichtige Rolle in der Hypertonietherapie, insbesondere bei Patienten mit Begleiterkrankungen, bei denen Betablocker günstig wirken (Z.B. Herzinsuffizienz).

Die Rolle der renalen Denervation, die in den letzten Jahren deutlich an Stellenwert verloren hatet, könnte durch die beim EURO-PCR vorgestellten positiven Studien eine Renaissance erfahren. In die neuen Leitlinien wurden diese Erkenntnisse aber noch nicht aufgenommen.

2. ORBITA:

Die ORBITA Studie hatte zum Ziel, die Effektivität der PCI auf die Belastungsdauer zu evaluieren. Insgesamt wurden 230 Patienten mit symptomatischer koronarer 1-Gefäßerkrankung eingeschlossen, von denen 200 nach 1:1 Randomisierung entweder mittels PCI oder konservativ medikamentös behandelt wurden. Dabei erhielt die konservative Gruppe eine Scheinprozedur unter Sedierung.
Trotz zahlreicher Limitationen (niedrige Patientenzahl, kurze Nachbeobachtungsdauer, nur 1-Gefäßerkrankungen) schienen die Ergebnisse zunächst dafür zu sprechen, dass Pat. mit einer stablien KHK hinsichtlich ihrer Belastbarkeit nicht von einer Stentimplantation profitieren. Auf dem EuroPCR 2018 in Paris präsentierte die Studienleiterin Dr. Rasha Al-Lamee aus London allerdings weitere Analysen, die bisher nicht veröffentlicht worden waren: danach sind in der Studie durch die PCI deutlich mehr Patienten komplett symptomfrei geworden als durch die Scheinprozedur (pro 100 Patienten 20 mehr, NNT: 5). Auch zeigte sich, dass die in ORBITA zwar gemessenen, aber den Untersuchern nicht mitgeteilten iFR- bzw. FFR-Werte, eine gute Aussage darüber zuließen, wieviel Ischämie beseitigt werden kann. Je niedriger die Werte waren, desto mehr Ischämie wurde beseitigt. 

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